Katze trinkt viel: wie viel ist normal?
Dieser Ratgeber ist allgemeine Information und ersetzt nicht die Beratung durch deinen Tierarzt. Für deine Katze ist dein Tierarzt immer die richtige Adresse.
Der Wassernapf war jahrelang fast unberührt, und seit ein paar Wochen steht sie am Wasserhahn. Kurz gesagt: Eine Katze braucht am Tag ungefähr 44 bis 66 Milliliter Flüssigkeit pro Kilogramm Körpergewicht, das Wasser aus dem Futter mitgerechnet. Für eine 4-Kilo-Katze sind das rund 175 bis 265 Milliliter insgesamt. Ab dauerhaft mehr als 100 Millilitern pro Kilogramm am Tag sprechen Tierärzte von vermehrtem Trinken, für dieselbe Katze also mehr als 400 Milliliter.
Bei Katzen ist diese Grenze aber nicht das Wichtigste, und das ist der Punkt, an dem die meisten Ratgeber vage werden. Viele Katzen mit Nassfutter trinken im Normalfall fast nichts. Wenn so eine Katze auf einmal jeden Tag einen halben Napf leert, ist das ein deutliches Signal, lange bevor sie in die Nähe der 100 Milliliter kommt. Unten steht, wie du die Trinkmenge sauber misst, wann es ein Notfall ist, was dahinterstecken kann und was dein Tierarzt damit anfängt. Eine Vorlage zum Ausdrucken gibt es auch. Für Hunde gelten andere Zahlen, die stehen im Ratgeber zum Hund, der viel trinkt.
Wie viel trinkt eine gesunde Katze?
Der Merck Veterinary Manual gibt den täglichen Wasserbedarf für die meisten Säugetiere mit ungefähr 44 bis 66 Millilitern pro Kilogramm Körpergewicht an, bei normaler Umgebungstemperatur. Umgerechnet auf typische Katzengewichte heißt das ungefähr:
- 3 kg: etwa 130 bis 200 ml Flüssigkeit am Tag.
- 4 kg: etwa 175 bis 265 ml.
- 5 kg: etwa 220 bis 330 ml.
- 6 kg: etwa 265 bis 400 ml.
Wichtig ist das Wort Flüssigkeit. Das ist der Gesamtbedarf, nicht die Menge, die aus dem Wassernapf kommen muss. Wie viel deine Katze tatsächlich trinkt, entscheidet fast ausschließlich das Futter. Nassfutter besteht zu 60 bis über 87 Prozent aus Wasser, Trockenfutter dagegen nur zu 3 bis 11 Prozent. Eine Katze mit Nassfutter deckt einen großen Teil ihres Bedarfs also über den Futternapf und geht an den Wassernapf kaum heran. Eine Katze mit Trockenfutter muss dieselbe Menge fast komplett selbst trinken.
Deshalb sagt „meine Katze trinkt kaum etwas“ für sich genommen wenig, und „meine Katze trinkt viel“ auch. Beides kann bei zwei gesunden Katzen völlig normal sein, wenn die eine Nassfutter bekommt und die andere Trockenfutter. Was zählt, ist die Menge im Verhältnis zu dem, was bei deiner Katze bisher normal war. Einzelne Tage nach oben gehören dazu: Hitze, ein warmes Zimmer, mehr Trockenfutter als sonst, ein salziger Snack.
Ab wann ist es zu viel?
Die tiermedizinische Definition von Polydipsie, also vermehrtem Trinken, liegt bei mehr als 100 Millilitern pro Kilogramm Körpergewicht am Tag. Für eine 4-Kilo-Katze sind das mehr als 400 Milliliter täglich, für eine 5-Kilo-Katze mehr als einen halben Liter. Bleibt deine Katze über mehrere Tage darüber, gehört das abgeklärt.
Diese Grenze ist bewusst weit gefasst, und das ist genau die Einschränkung, die Fachtexte selbst dazuschreiben: Ein Tier kann klinisch eindeutig vermehrt trinken, ohne die 100 Milliliter je zu erreichen, weil der normale Ausgangswert je nach Futter, Umgebung und Aktivität so unterschiedlich ist. Bei Katzen fällt das besonders ins Gewicht. Eine Nassfutter-Katze, deren Napf sich seit Jahren kaum bewegt hat und die jetzt bei 150 Millilitern am Tag liegt, hat ihr Trinkverhalten grundlegend geändert und liegt trotzdem weit unter jeder Grenze.
Praktisch heißt das: Die Zahl aus der Definition ist der Punkt, ab dem es ohne Diskussion auffällig ist. Die Veränderung gegenüber früher ist das, was du eigentlich beobachtest. Beides gehört auf denselben Zettel, und beides gehört zum Tierarzt.
Wann es ein Notfall ist
Eines gehört nach vorn, weil es sich leicht mit vermehrtem Urinieren verwechseln lässt. Wenn deine Katze immer wieder ins Katzenklo geht, sich sichtbar anstrengt und dabei wenig oder gar nichts kommt, ist das kein Fall fürs Abwarten. Das kann ein Harnröhrenverschluss sein, und das Cornell Feline Health Center beschreibt ihn als echten Notfall: Kater und kastrierte Kater sind stärker gefährdet als Katzen, weil ihre Harnröhre länger und enger ist, und vom vollständigen Verschluss bis zum Tod können weniger als 24 bis 48 Stunden vergehen. Ruf sofort in der Praxis oder in einer Tierklinik an, auch nachts.
Vermehrtes Trinken allein ist dagegen normalerweise kein Notfall. Es ist ein „miss es ein paar Tage und mach dann einen Termin“, kein Grund für eine nächtliche Fahrt. Zeitnah anrufen solltest du trotzdem, wenn zusätzlich eines davon dazukommt:
- Der Durst hat innerhalb weniger Tage stark zugenommen statt über Monate.
- Deine Katze erbricht, frisst nicht mehr oder versteckt sich und wirkt matt.
- Sie verliert Gewicht, obwohl sie normal oder sogar mehr frisst.
- Sie uriniert plötzlich neben das Klo oder die Klumpen sind deutlich größer als sonst.
- Eine junge Katze trinkt auf einmal auffällig viel.
Ruhig bleiben heißt nie, eine Gefahr kleinzureden. Eine Katze, die nicht frisst, ist immer ein schnellerer Anruf als eine Katze, die nur mehr trinkt.
Wie du die Trinkmenge misst
Du brauchst einen Messbecher und einen Zettel. Der Trick ist, dass jedes Wasser, das in den Napf kommt, vorher abgemessen wurde. Bei Katzen kommt eine zweite Schwierigkeit dazu, die es beim Hund nicht gibt: Es geht um so kleine Mengen, dass Verdunstung das Ergebnis merklich verfälscht.
- Morgens abmessen und aufschreiben. Füll den Napf mit einer bekannten Menge, zum Beispiel 200 ml, und notier sie.
- Nur abgemessen nachfüllen. Wird der Napf tagsüber leer, gib wieder eine gemessene Menge dazu und schreib sie daneben.
- Nach 24 Stunden den Rest messen. Zur gleichen Uhrzeit am nächsten Morgen schüttest du zurück in den Messbecher, was übrig ist. Gesamtmenge minus Rest ist die Trinkmenge.
- Stell einen Kontrollnapf auf. Ein zweiter, gleich großer Napf mit derselben abgemessenen Menge, an einem Ort, an den deine Katze nicht kommt. Was dort nach 24 Stunden fehlt, ist verdunstet, und die Menge ziehst du von deinem Messergebnis ab. Bei einer Katze, die vielleicht 60 ml am Tag trinkt, macht das einen echten Unterschied.
- An alle Wasserquellen denken. Der zweite Napf im Flur, die Blumenuntersetzer, das Waschbecken, die Duschwanne, die Toilette mit offenem Deckel, der Napf der anderen Katze, draußen die Regentonne. Was du nicht kontrollieren kannst, notierst du ehrlich dazu, statt die Messung ganz zu lassen.
- Trinkbrunnen mitrechnen. Wenn ihr einen habt, misst du den Tank genauso, und der Kontrollnapf wird umso wichtiger, weil aus einem Brunnen mehr verdunstet als aus einer Schale.
- Drei bis sieben Tage hintereinander. Ein einzelner Tag sagt fast nichts.
Zwei Dinge machen die Zahl belastbarer. Notier das Gewicht deiner Katze, denn ohne Gewicht lässt sich die Menge nicht in Milliliter pro Kilogramm umrechnen. Und notier, was sie frisst, Nass- oder Trockenfutter, und ob sich daran zuletzt etwas geändert hat. Ein Futterwechsel von nass auf trocken erklärt einen Sprung an der Wasserschale vollständig, ohne dass irgendetwas krank ist.
Der Mehrkatzenhaushalt ist der unangenehme Fall. Sauber messen kannst du nur, wenn die Katzen für die Messtage getrennt trinken, und das ist ein paar Tage Aufwand. Wenn das nicht geht, miss die Gesamtmenge aller Katzen und teil sie durch das gemeinsame Gewicht. Das ist grob, aber ein grober Wert über eine Woche ist immer noch mehr als ein Eindruck. Sag deinem Tierarzt dazu, wie du gemessen hast.
Was hinter vermehrtem Trinken stecken kann
Vorweg, damit die Liste nicht schlimmer wirkt, als sie ist: Die häufigsten Gründe für einen leeren Napf sind harmlos. Wärme, ein Futterwechsel, ein neuer Trinkbrunnen, mehr Trockenfutter. Erst wenn sich das ausschließen lässt und der Wert über Tage oben bleibt, wird es medizinisch interessant.
Wenn dein Tierarzt dann sucht, stehen bei der Katze drei Erkrankungen im Vordergrund. Das ist keine Diagnose und keine Rangliste für deine Katze, sondern nur, warum als Nächstes Blut und Urin untersucht werden:
- Chronische Nierenerkrankung. Erkrankte Nieren können den Urin nicht mehr richtig konzentrieren. Es geht mehr Wasser über den Urin verloren, und die Katze gleicht das durch Trinken aus. Vermehrtes Trinken ist oft das erste sichtbare Zeichen überhaupt. Mehr dazu im Ratgeber zur chronischen Niereninsuffizienz bei Hund und Katze, und was die Stadien bedeuten, steht in den CKD-Stadien nach IRIS.
- Diabetes. Bei zu hohem Blutzucker landet Zucker im Urin und zieht Wasser mit. Typisch ist viel trinken, viel urinieren und Gewichtsverlust trotz gutem Appetit. Wie der Alltag damit aussieht, steht im Ratgeber zu Diabetes bei Hund und Katze.
- Schilddrüsenüberfunktion. Vor allem bei Katzen ab dem mittleren Alter. Das Cornell Feline Health Center nennt als häufigste Anzeichen Gewichtsverlust, gesteigerten Appetit sowie vermehrtes Trinken und Urinieren, dazu manchmal Erbrechen, Durchfall, Unruhe und ein stumpfes, verfilztes oder fettiges Fell.
- Medikamente. Kortison und einige entwässernde Mittel steigern den Durst als bekannte Nebenwirkung. Wenn deine Katze etwas Neues bekommt, sag das beim Termin dazu.
Auffällig ist, wie oft sich diese drei bei älteren Katzen überschneiden, und genau deshalb entscheidet sich am Napf gar nichts. Es entscheidet sich über Blut- und Urinuntersuchung. Deine Messreihe ist trotzdem nützlich, denn sie beantwortet die erste Frage, die dein Tierarzt stellt, bevor er überhaupt anfängt zu suchen.
Ein Sonderfall, der leicht durcheinandergeht: Wenn bei deiner Katze die Nieren schon das Thema sind, ist das Problem meistens das umgekehrte. Dann geht es darum, überhaupt genug Flüssigkeit in eine Katze zu bekommen, die zu wenig trinkt. Darum geht es in den Strategien für mehr Flüssigkeit bei CKD. Diese Seite hier ist für den Fall davor, wenn noch nichts feststeht und der Napf das Erste ist, was auffällt.
Was dein Tierarzt von dir wissen will
Ein Termin wegen vermehrtem Trinken läuft besser, wenn du vier Dinge mitbringst. Nichts davon musst du auswendig können, es steht auf deinem Zettel:
- Die gemessene Trinkmenge in Millilitern pro Tag, über mehrere Tage, und wie du gemessen hast.
- Das aktuelle Gewicht deiner Katze und, falls du es hast, das von vor einem halben Jahr.
- Was sie frisst, Nass- oder Trockenfutter, und ob sich daran zuletzt etwas geändert hat.
- Seit wann es dir auffällt und was sich sonst verändert hat: Klumpengröße, Appetit, Fell, Aktivität, Erbrechen, ob sie neben das Klo geht.
Der Unterschied zwischen „sie trinkt in letzter Zeit irgendwie mehr“ und „sie liegt seit sechs Tagen bei 190 Millilitern, bei 4,2 Kilo, mit Nassfutter, vorher war der Napf abends fast voll“ ist groß. Der zweite Satz ist der Ausgangspunkt für eine Untersuchung. Der erste ist eine Vermutung, die dein Tierarzt erst selbst überprüfen muss. Miss danach weiter, denn wenn eine Behandlung anfängt, ist die Trinkmenge oft eines der ersten Dinge, an denen sich zeigt, ob sie wirkt.
Papier, Tabelle oder App?
Die ehrliche Antwort: Die beste Methode ist die, bei der du wirklich dranbleibst. Für eine Messwoche reicht das Einfachste völlig.
- Ein Zettel neben dem Napf. Unsere Vorlage zum Ausdrucken hat Zeilen für Datum, eingefüllte Menge, Rest, Trinkmenge und Futterart, dazu die Umrechnung pro Kilogramm. Alle weiteren Blätter findest du auf der Seite Vorlagen zum Ausdrucken.
- Eine Tabelle rechnet die Milliliter pro Kilogramm automatisch aus und zeigt den Verlauf als Kurve.
- Eine App kann dich abends ans Nachmessen erinnern und die Werte für den Tierarzttermin zusammenhalten.
Genau dafür bauen wir Felova, eine App, die dich an Messungen und Medikamente erinnert und die Werte für den Tierarzt an einem Ort sammelt. Sie ist noch nicht draußen. Du kannst dich auf die Warteliste setzen, und bis dahin leistet ein Zettel neben dem Napf dieselbe ehrliche Arbeit. Wichtig ist nur, dass am Ende der Woche Zahlen dastehen und keine Erinnerung.
Häufige Fragen
Meine Katze trinkt viel und frisst wenig. Was heißt das?
Diese Kombination ist der Punkt, an dem du nicht erst eine Woche misst. Eine Katze, die deutlich weniger frisst, gehört zeitnah in die Praxis, unabhängig davon, wie die Trinkmenge ausfällt. Miss, wenn du es nebenbei schaffst, aber mach den Termin trotzdem. Katzen kommen mit längerem Fressverzicht schlechter zurecht als Hunde.
Meine alte Katze trinkt mehr als früher. Gehört das zum Alter?
Mehr trinken ist keine normale Alterserscheinung, auch wenn es bei älteren Katzen häufiger vorkommt. Der Grund für die Häufung ist, dass die Erkrankungen dahinter im Alter häufiger werden, nicht das Alter selbst. Bei einer Katze über sieben ist eine Veränderung am Napf eher ein Grund für einen Termin als bei einer jungen, nicht weniger.
Zählt das Wasser aus dem Nassfutter mit?
Für den Gesamtbedarf ja, für deine Messung nein. Du misst nur, was aus dem Napf verschwindet. Deshalb notierst du dazu, ob deine Katze Nass- oder Trockenfutter bekommt. Dein Tierarzt rechnet das ein, wenn er die Zahl beurteilt.
Soll ich meiner Katze weniger Wasser hinstellen, wenn sie zu viel trinkt?
Nein. Wasser wegzunehmen behandelt keine Ursache. Es nimmt der Katze den Ausgleich für einen Verlust, den sie gerade nicht steuern kann, und kann sie ernsthaft austrocknen. Der Merck Veterinary Manual formuliert es als Grundsatz: Die Wasseraufnahme sollte im Allgemeinen nicht eingeschränkt werden, gesunde Tiere regulieren sie bei freiem Zugang selbst. Was du änderst, ist nicht der Napf, sondern dass du die Menge misst und damit zum Tierarzt gehst.
Woher diese Informationen stammen
Dieser Ratgeber ist aus dem Leben mit einem chronisch kranken Tier geschrieben und gegen veröffentlichte veterinärmedizinische Quellen geprüft. Er ist allgemeine Information, keine Beratung für dein einzelnes Tier. Zum Weiterlesen:
- Nutritional Requirements of Small Animals, Merck Veterinary Manual. Quelle für den Bedarf von etwa 44 bis 66 ml pro Kilogramm am Tag, für den Wassergehalt von Nass- und Trockenfutter und für den Grundsatz, die Wasseraufnahme nicht einzuschränken (englisch).
- A Stepwise Diagnostic Approach to Polyuria and Polydipsia, Today's Veterinary Practice. Quelle für die Definition von Polydipsie ab 100 ml pro Kilogramm am Tag und für den Hinweis, dass ein Tier auch unterhalb dieser Grenze klinisch vermehrt trinken kann (englisch).
- Hyperthyroidism in Cats, Cornell Feline Health Center, Cornell University College of Veterinary Medicine. Quelle für die Anzeichen der Schilddrüsenüberfunktion (englisch).
- Feline Lower Urinary Tract Disease, Cornell Feline Health Center. Quelle für den Harnröhrenverschluss als Notfall und den zeitlichen Rahmen (englisch).
- Chronic Kidney Disease und Feline Diabetes, Cornell Feline Health Center. Überblicke zu den beiden anderen häufigen Ursachen bei der Katze (englisch).
Felova entsteht genau für diese Art von Dokumentation, ein ruhiger Ort für Werte wie die Trinkmenge, das Gewicht und die Medikamente, damit der Verlauf da ist, wenn dein Tierarzt ihn braucht. Die App ist noch nicht draußen.
Auf die Warteliste →